Zum Inhalt springen
Recall Monitorvon SyncVentura

Wo amtliche Rückrufe veröffentlicht werden

Rückrufe und Produktwarnungen erscheinen nicht an einer Stelle, sondern in vielen amtlichen Datenbanken, je nach Land und Produktgruppe. Hier finden Sie die wichtigsten Quellen für Shops, die in die EU, nach Großbritannien, in die USA, nach Kanada oder Australien verkaufen, und Hinweise, wie Sie Meldungen mit Ihrem Sortiment abgleichen.

Stand: · Recall Monitor von SyncVentura

Auf einen Blick

  • Für Verbraucherprodukte in der EU ist das Safety Gate der EU-Kommission die zentrale Quelle.
  • Lebensmittel, Kosmetik, Arzneimittel, Medizinprodukte und Fahrzeuge haben in vielen Ländern eigene Datenbanken.
  • Am zuverlässigsten lassen sich Meldungen über den Barcode (EAN, GTIN, UPC) zuordnen, danach über die Modellnummer; die Marke allein ist nur ein Hinweis.
  • Bei einem größeren Sortiment ist ein regelmäßiger, möglichst täglicher Abgleich praktikabler als gelegentliches Nachschauen.

Europäische Union: Safety Gate

Das Safety Gate ist das Schnellwarnsystem der EU für gefährliche Produkte außer Lebensmitteln. Die Behörden der Mitgliedstaaten melden dort Maßnahmen gegen gefährliche Produkte, etwa Verkaufsverbote, Rücknahmen und Rückrufe; die EU-Kommission veröffentlicht die Meldungen im Safety-Gate-Portal.

Eine Meldung enthält in der Regel Produktart, Name, Marke, Typ- oder Modellnummer, oft auch Barcode oder Chargennummer, ein Foto, die Art der Gefahr, die ergriffene Maßnahme und das meldende Land.

  • Safety GateEuropäische Kommission

    Meldungen über gefährliche Verbraucherprodukte aus allen Mitgliedstaaten, durchsuchbar nach Produktart, Marke und Land.

  • RASFF WindowEuropäische Kommission

    Das eigene Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel.

Deutschland

  • lebensmittelwarnung.deBundesländer und Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

    Warnungen und Rückrufe zu Lebensmitteln, kosmetischen Mitteln und Bedarfsgegenständen wie Spielzeug, Geschirr oder Kleidung.

  • Rückrufe beim Kraftfahrt-BundesamtKraftfahrt-Bundesamt (KBA)

    Rückrufe von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen.

  • Maßnahmen von HerstellernBundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)

    Sicherheitsanweisungen der Hersteller von Medizinprodukten zu Korrekturmaßnahmen in Deutschland.

Für Verbraucherprodukte ohne eigene Datenbank, etwa Elektrogeräte, Möbel oder Werkzeug, ist das EU Safety Gate die wichtigste Quelle; auch deutsche Behörden melden gefährliche Produkte dorthin.

USA

  • RecallsConsumer Product Safety Commission (CPSC)

    Rückrufe von Verbraucherprodukten wie Spielzeug, Kinderartikeln, Möbeln, Haushalts- und Elektrogeräten.

  • Recalls, Market Withdrawals, & Safety AlertsFood and Drug Administration (FDA)

    Rückrufe von Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, Kosmetik, Arzneimitteln und Medizinprodukten.

  • RecallsNational Highway Traffic Safety Administration (NHTSA)

    Rückrufe von Fahrzeugen und Fahrzeugausrüstung, darunter Kindersitze und Reifen.

Für Fleisch, Geflügel und Eiprodukte ist in den USA der Food Safety and Inspection Service (FSIS) des Landwirtschaftsministeriums zuständig.

Großbritannien

  • Product safety alerts, reports and recallsOffice for Product Safety and Standards (OPSS) auf GOV.UK

    Warnungen und Rückrufe zu Verbraucherprodukten.

  • Food alertsFood Standards Agency (FSA)

    Rückrufe und Allergiewarnungen zu Lebensmitteln in England, Wales und Nordirland.

Kanada und Australien

  • Recalls, advisories and safety alertsRegierung von Kanada (Health Canada, CFIA und weitere)

    Gemeinsames Portal für Rückrufe und Sicherheitswarnungen, unter anderem zu Verbraucherprodukten, Lebensmitteln und Gesundheitsprodukten.

  • Food recallsFood Standards Australia New Zealand (FSANZ)

    Lebensmittelrückrufe in Australien.

  • Product Safety AustraliaAustralian Competition and Consumer Commission (ACCC)

    Rückrufe von Verbraucherprodukten in Australien.

Länderübergreifend: OECD GlobalRecalls

Das GlobalRecalls-Portal der OECD bündelt Rückrufe von Verbraucherprodukten aus zahlreichen Ländern. Es eignet sich für einen Überblick; maßgeblich ist die Meldung der jeweiligen Behörde.

So gleichen Sie Meldungen mit Ihrem Sortiment ab

Eine Meldung betrifft selten eine ganze Marke, sondern ein bestimmtes Modell, eine Charge oder einen Zeitraum. Diese Merkmale helfen beim Zuordnen, in absteigender Sicherheit:

  1. Barcode (EAN, GTIN, UPC)

    Stimmt er überein, handelt es sich sehr wahrscheinlich um dasselbe Produkt. Ein 12-stelliger UPC aus den USA entspricht einer 13-stelligen EAN mit vorangestellter Null.

  2. Modell- oder Artikelnummer

    Zuverlässig, wenn die Schreibweise übereinstimmt; Bindestriche, Leerzeichen und Zusätze unterscheiden sich oft.

  3. Marke

    Nur ein Hinweis: Meist betrifft die Meldung ein anderes Produkt derselben Marke. Bilder und Beschreibung vergleichen.

  4. Charge, Seriennummer, Zeitraum

    Entscheiden, ob Ihr Lagerbestand und die verkaufte Ware tatsächlich betroffen sind.

Viele Meldungen enthalten keinen Barcode. Je vollständiger Ihre eigenen Produktdaten sind – EAN, Modellnummer, Marke –, desto eher fällt ein Treffer auf. Die GPSR verlangt diese Kennung ohnehin auf jeder Produktseite (Art. 19 Buchst. c, siehe GPSR-Pflichtangaben im Shopify-Shop).

Wie oft sollten Sie prüfen?

Eine feste Frist nennt die GPSR nicht. Händler dürfen aber kein Produkt verkaufen, bei dem sie Grund zu der Annahme haben, dass es nicht sicher ist (Art. 12 Abs. 3) – und je länger ein zurückgerufenes Produkt im Shop bleibt, desto mehr Kunden sind betroffen.

Bei einem größeren Sortiment ist ein täglicher, automatischer Abgleich praktikabler als gelegentliches Nachschauen. Neue Produkte sollten Sie schon beim Anlegen prüfen. Was bei einem Treffer zu tun ist, steht im Ratgeber Produktrückruf: Was Online-Händler tun müssen.

Quellen

Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick nach dem genannten Stand und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist der Wortlaut der Verordnungen; im Einzelfall kann eine Beratung durch eine Anwältin, einen Anwalt oder die zuständige Behörde nötig sein.